… sag ich mir ja immer und hab tatsächlich noch eine zweite Mail an das Regierungspräsidium Stuttgart geschickt.

Schließlich bin ich ja Expertin bei der Kommunikationskochschule und bin mir das schuldig.😉

Falls du jetzt ein Riesen-❓ im Gesicht hast: ich beziehe mich auf die Story im vorherigen Blog: “die vom Jobcenter”. Darin geht es um die Formalitäten-Odyssee meines Mentees, und wie wir es schaffen, nix anbrennen zu lassen.👩🏻‍🍳

In dem Zusammenhang hab ich ans Regierungspräsidium Stuttgart geschrieben. Leider erfolglos.
Das führte zur zweiten Mail, eine Hierarchieebene höher, an die Referatsleitung. Die Antwort kam recht zügig nach ein paar Tagen.
Das kann ich schonmal vorwegnehmen: das Ergebnis blieb gleich 😏.

  • Khaled muss nach Berlin für seine Bescheinigung
  • eventuell kann eine bevollmächtigte Person das für ihn erledigen
  • ich solle mit der palästinensischen Botschaft Kontakt aufnehmen

Was tatsächlich draus geworden ist, erfährst du jetzt.

Regierungspräsidium: Klappe, die Zweite

Große Hoffnungen habe ich mir keine gemacht, wollte aber noch nicht die Flinte ins Korn werfen und schrieb deshalb noch eine Mail.

Was die ganze Angelegenheit erleichtert, ist, dass ich den vorherigen Dialog anhängen und mich so wesentlich kürzer fassen konnte. Das sah so aus:

Guten Tag Frau xy,

ich betreue als ehrenamtliche Mentorin einen jungen Mann, der 2015 nach Esslingen gekommen ist.

Er soll nun für seinen Reiseausweis nach Berlin fahren und sich die palästinensische Staatsbürgerschaft bestätigen lassen.

Da er die Ausbildung zum Koch macht, wenig Zeit und Geld hat und schon sehr viele Hürden überwinden musste, wende ich mich an Sie, mit der Bitte, seinen Fall wohlwollend zu prüfen und ihm die Fahrt nach Berlin zu ersparen.

Die Details zu seinem Fall habe ich Ihrer Mitarbeiterin (s. Mails im Anhang) ausführlich erläutert. Frau abc bleibt allerdings bei ihrer Einschätzung und Forderung.

Ich weiß einfach nicht, wie mein Mentee das noch schaffen soll und bin selbst mittlerweile sehr frustriert und demotiviert, weil wir mit verschiedensten Behörden immer wieder und wieder die gleichen Anträge ausfüllen und lange Wartezeiten aushalten müssen.

Können Sie helfen?

Mann mit Hut und Zigarette vor schwarzem Hintergrund. Im Vordergrund das Bild einer Regieklappe und der Text: Klappe, die Zweite, Regierungspräsidium StuttgartDas beschreibt so in etwa mein Gefühl beim Austausch mit den Mitarbeiter:innen des Regierungspräsidiums.
Du kannst niemandem ins Gesicht sehen beim großen Unbekannten, und weißt nicht, was als nächstes kommt. Ziemlich spooky.

Das ist die Antwort:

Sehr geehrte Frau Schulz,

ich habe mir den Fall angeschaut. Allerdings muss ich Ihnen mitteilen, dass es bei unserer bisherigen Einschätzung bleibt.

Die Ausführungen von Frau abc sind vollständig zutreffend. Die Situation Ihres Mandanten unterscheidet sich nicht von der zahlreicher anderer Ausländer, sodass hier eine Ausnahme nicht in Betracht kommt.

Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, wie von Frau abc bereits vorgeschlagen, Kontakt mit der Palästinensischen Mission aufzunehmen und abzuklären, ob es überhaupt erforderlich ist, dass Ihr Mandant persönlich dort erscheint.

Möglicherweise kann auch eine bevollmächtigte Person die Bescheinigung für ihn in Berlin beantragen und abholen.

Mit freundlichen Grüßen

Wie gesagt, überrascht war ich nicht. Und von daher auch gar nicht mehr groß enttäuscht.
Kennst du das: wenn du dich erstmal mit einer Sache abgefunden hast, ist sie nur noch halb so schlimm? Weitermachen war angesagt.

Die Palästinensische Botschaft:

Nun also, nach dem Ausländeramt und dem Regierungspräsidium, auch noch Kontakt mit der palästinensischen Botschaft in Berlin aufnehmen.
Das wollte ich vermeiden, weil ich ganz viele Schwierigkeiten erwartet habe. Sowas wie:

  • niemand geht ans Telefon (du hängst ewig in der Warteschleife)
  • ich erreiche nicht die/den richtigen Ansprechpartner:in (werde vertröstet von A nach B)
  • ich kriege zu hören, was ich nicht hören will: Khaled muss persönlich kommen
  • es wird unangenehm, stressig und schwer

Schweren Herzens hab ich mich also drangegeben.

Im Internet recherchiert, die Adresse ausfindig gemacht und einen Ansprechpartner gefunden. Dem hab ich ne Mail geschickt. An dem Tag war die Botschaft übrigens geschlossen. Typisch 🤨.

Und dann ist Unglaubliches passiert!

  • schon am nächsten Vormittag bekomme ich eine Mail mit einem Link, wo alle erforderlichen Infos enthalten sind PLUS
  • einen Anruf noch vor 12:00 Uhr ☎️

Wenn du auf den Link klickst, kommst du auf diese Seite.

Arabischer Text, der angezeigt wird, nachdem auf den zugehörigen Link geklickt wurde.
Da musste ich ganz schön schmunzeln. So geht’s dir halt, wenn du die Sprache nicht kennst.

Der Ansprechpartner hatte mich persönlich angerufen, um noch ein paar Infos zu geben und um zu sagen, dass alles auch per Post erledigt werden kann. Hauptgewinn! 🏆

Ich hätte ihn knutschen können. 🥰

Es war alles gar nicht so kompliziert und das ganze Theater mit dem Regierungspräsidium hätte ich mir “eigentlich” sparen können. Wieso “eigentlich”?

Meiner Erfahrung nach ist sowas immer zu etwas gut. Für Erkenntnisse, zum Beispiel. Dies ist für mich ein typischer Fall von: Umweg durch Vorurteile.
Statt direkt bei der Botschaft nachzufragen, hab ich mich ans Regierungspräsidium gewandt und mich damit unnötig geärgert, plus Zeit und Ärger gebraucht.

Gestern haben Khaled und ich uns getroffen und den Brief versandfertig gemacht. Er hatte alle Unterlagen dabei. Wir haben noch flux ein Anschreiben kreiert und vereinbart, dass er den Brief per Einschreiben mit Rückschein aufgibt. Heute geht er raus.

Übrigens: die Gebühren hat Khaled schon im Vorfeld auf das angegebene Konto überwiesen und den Kontoauszug ausgedruckt, um ihn dem Brief beizulegen.
Clever, oder? (Mensch, bin ich stolz 🤩)

Jetzt sind wir wieder im Wartemodus, mit dem guten Gefühl, einen Schritt auf seinem Weg weiter gekommen zu sein.

Was hat das Ganze jetzt gebracht?

Immer wieder tauchen neue Hürden auf. Mal schwerer, mal leichter zu überwinden.
Mir hilft die Haltung:

  • der Weg ist das Ziel
  • Herausforderungen gehören dazu und ich nehme sie an
  • ich freue mich, wenn wir zusammen was geschafft haben und
  • ich bin dankbar für nette und hilfsbereite Menschen auf unserem Weg

Denn die gibt es immer.

Wie zum Beispiel Leonie, meine persönliche “gute Fee”, 🧚🏻‍♀️die mir virtuell zur Seite steht und in Berlin wohnt. Sie hat mir ganz spontan angeboten, Khaled zu helfen, wenn er persönlich zur Botschaft muss.

Ist das nicht großartig? Leonie, das hat mir soooo das Herz gewärmt 🥰

Und dann ist da noch die Entwicklung und Haltung, die ich bei Khaled sehe. Daran erkenne ich, was ich richtig gemacht habe.

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Kommunikationskochschule